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Gedanken zum Tierschutz

Das Säugetier "Mensch" steht nicht für sich allein. Es ist eingebunden in Natur und Tierwelt; in einem grossen Ganzen, das zusammenhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Äusserlich mögen wir uns stark von den Tieren unterscheiden, jedoch in vielen psychischen und emotionalen Bereichen finden sich sehr viele Gemeinsamkeiten. Das Tier in mir ermöglicht es, das vierbeinige Gegenüber als Mitgeschöpf wahrzunehmen.
Meine Tierliebe, wei den meisten Kindern in die Wiege gelegt, wurde von meinen Eltern gefördert und unterstützt, wofür ich ihnen überaus dankbar bin. Heute weiss ich: Tierschutz ist nicht einfach nur Sentimentalität, sondern auch Menschenschutz. Tiere als fühlende und leidensfähige Mitlebewesen wahrzunehmen und zu achten bewirkt auch gegenüber den Mitmenschen mehr Toleranz und Empathie. Tierschutz und "mit dem Herzen denken" sollte deshalb in der Erziehung eine selbstverständliche Komponente sein.
Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen einen "Filter" vor Herz und Augen haben. Die Art und Weise, wie wir Tiere wahrnehmen, hängt davon ab, wie genau wir hinzuschauen wagen, um welche Tiere es sich handelt oder wie viel Geld wir mit ihnen verdienen können. Wir übernehmen unbesehen und unkritisch die Denkweisen von Eltern und Gesellschaft, ohne zu hinterfragen, ob das wirklich die eigenen Überzeugungen und ob sie ethiksch korrekt sind. Um das heraus zu finden, müssten wir allerdings einmal ganz genau hinsehen, uns informieren, mit eigenen Gedanken darüber nachdenken und diese schliesslich mit unserem Gewissen prüfen. Dann kämen wir ziemlich sicher zum Schluss, dass Einiges im Argen liegt mit unserer Wahrnehmung und unserem Umgang mit Tieren.

Die meisten Menschen bezeichnen sich selber als Tierfreunde, sind mehr oder weniger nett zu ihren Hunden, Katzen und andern Haustieren und verurteilen offensichtliche Tierquälerei.
Die subtilere Tierquälerei in Massentierhaltungen und Schlachthäusern, in Tierversuchslaboren, in Zoo und Zirkus (um nur Einige zu nennen) nehmen wir jedoch nicht wirklich wahr. Nicht von ungefähr sind das alles "Institutionen", in denen man nicht so einfach hinter die Kulissen blicken kann (oder will) - warum wohl? gibt es da etwas zu verstecken?
Warum sehen wir lieber weg und kratzen nicht an der Oberfläche unserer eingefleischten Einstellungen? Ich glaube, weil wir fürchten, wir könnten sowieso nichts daran ändern oder weil wir denken, die notwendigen Änderungen wären viel zu mühsam. Es ist ja auch fast nicht auszuhalten, all die Missstände zu erkennen und sich dabei so hilflos und elend zu fühlen. Da ist es doch viel einfacher, sich mit Entschuldigungen selber einzulullen, damit unser Gewissen schön weiter schläft.
Wird trotzdem einmal von aussen an den ach so bequemen Überzeugungen gerüttelt, entlädt sich das unterdrückte, unbewusst vorhandene, nicht ganz so lupenreine Gewissen oft in ziemlich aggressiver Weise. Das beste Beispiel dafür liefern Fleischesser, die mit einem Vegetarier an einem Tisch sitzen und sich grundlos angegriffen fühlen.

Tiere sind fühlende, leidensfähige Mitlebewesen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Wenn wir diese Erkenntnis in unserem Alltagsleben umsetzen wollen, stehen viele unserer "Gewohnheiten" plötzlich auf recht wackligen Beinen und entbehren jeglicher Gerechtigkeit.
Ein treffendes Beispiel dazu ist der Zirkus, wo exotische Tiere auch mit dem besten Willen der Zirkusbetreiber nicht artgerecht gehalten werden können. Da Tiere sich nur begrenzt stimmlich ausdrücken oder sich wehren können, entladen sich ihr Stress und ihr Unbehagen über ihre Haltung und ihre "Verwendung" in Stereotypien (sich stets wiederholende, gleiche Bewegungen, z.B. das Hin- und Herschaukeln des Kopfes und Rüssels bei Elefanten oder das Hin- und Hertraben der Raubkatzen). Dieses psychisch krankhafte Verhalten, das auch in der Human-Psychiatrie auftritt, wird aber von uns Menschen oft nicht als solches wahrgenommen. Viele Leute denken irrtümlicherweise, das gehöre zum normalen Bewegungsablauf der Tiere. Wo liegt da der pädagogische Nutzen, der oft von Zoo- und Zirkus-Befürwortern angeführt wird? Ist es nicht vielmehr äusserst zynisch und irreführend, das Bild eines psychisch kranken Lebewesens als normal wahrnehmen zu lernen?
Im Zirkus vergessen wir, dass wir für eine Stunde Spass und Unterhaltung in Kauf nehmen, dass diese Mitgeschöpfe ihr ganzes Leben in Gefangenschaft und artfremder Umgebung verbringen müssen. Mit dem Bezahlen des Eintrittsgeldes unterstützt der Zirkusbesucher im Grunde diese Zustände und macht sich mitverantwortlich.
Ein weiteres Beispiel liefern unsere Essgewohnheiten. Der besagte Filter bewirkt, dass wir uns beim Kauf eines Stückes Fleisch nicht mehr bewusst sind, dass wir ein ehemals leidensfähiges, fühlendes Mitlebewesen eben zum Tode verurteilt haben. Auch ist unser Fleischkonsum keine bewusste Entscheidung, sondern wird von Elternhaus und Gesellschaft vorgelebt und unreflektiert übernommen. Beim Einkaufen vor allem auf den billigen Preis zu achten und sich dadurch womöglich täglich Fleisch auf dem Teller zu ermöglichen, bedeutet auch, die (tierquälerische) Massenhaltung der Tiere in Kauf zu nehmen. Durch das Ignorieren und Verleugnen der negativen Auswirkungen von Massentierhaltung und Fleischkonsum sägen wir buchstäblich an dem Ast, auf dem wir sitzen. Trotz den gesetzlichen Vorschriften ist nicht zu übersehen, dass die Nutztiere in erster Linie als Endprodukt "Fleisch" behandelt werden und alle ethischen Einwände und Bedenken mit der Erklärung: "Die werden extra dafür gezüchtet" und "Es muss wirtschaftlich sein" abgetan werden.
Dieselben Argumente hört man auch in der Pelzindustrie. Aber haben gezüchtete Tiere nicht die selben Bedürfnisse? Sind sie nicht trotzdem fühlende und leidensfähige Lebewesen?

Die ganze Problematik in unserem oft skrupellosen Umgang mit den Tieren ist wohl begründet auf drei Hauptthemen:
1.) Speziesismus, 2.) Illusion von Besitz, 3.) Geld und Wirtschaftlichkeit

1.) Genau wie der Rassismus und der Sexismus widerspricht der Speziesismus (Diskriminierung, weil ein Lebewesen einer andern Art angehört) dem Gleichheitsprinzip. Dieses besagt, dass alle Lebewesen entsprechend ihrer Interessen behandelt werden sollen (Peter Singer, 1975). Das heisst, dass jedes fühlende, leidensfähige Lebewesen ein moralisches Grundrecht auf Unversehrtheit hat. Das speziesistische Denken der Menschen ermöglicht erst die Ausbeutung und Knechtung der Tiere.
2.) Kann man als Mensch einen andern Menschen besitzen? Seit der Abschaffung der Sklaverei ist die Antwort für die meisten ein klares NEIN. Bei den Tieren sind sich die wenigsten so sicher - jahrhundertelanges Speziesismus-Denken ist uns im Weg. In unserem Innersten aber wissen wir sehr wohl, dass jedes Lebewesen in erster Linie sich selbst gehört. Wir können höchstens die Verantwortung und die Pflege für ein anderes Lebewesen (Mensch oder Tier) übernehmen.
3.) Der Grund für das meiste Tierleid ist wohl das Geld und der Anspruch auf Wirtschaftlichkeit. Bei der Abwägung von Wirtschaftlichkeit und Tierwohl ziehen die Tiere fast immer den Kürzeren. Dazu ein treffendes Zitat von Brigid Brophy: Wann immer Menschen sagen, wir sollten nicht sentimental sein, kann man daraus schliessen, dass sie etwas Grausames vorhaben. Und wenn sie hinzufügen: "Wir müssen realistisch sein", meinen sie damit, dass sie dabei Geld verdienen werden.

Inzwischen stimmt mir (hoffentlich) wohl mancher Leser zu, fühlt sich aber ziemlich unbehaglich angesichts dieser unbequemen Tatsachen. Aber keine Sorge - es ist ganz einfach, sein Verhalten den neuen Erkenntnissen anzupassen. Die irrige Annahme, wir könnten als einzelne Personen nichts verändern, ist schnell widerlegt, wenn wir uns eines wichtigen Prinzips bewusst werden: Jeder Markt richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Das bedeutet, dass ich als Konsumentin mitbestimme, was / wie / ob etwas produziert oder angeboten wird. Die Wahl jedes einzelnen zählt! Wenn ich diese Verantwortung bewusst wahrnehme und entsprechend handle und konsumiere, kann ich sehr viel zum Vermeiden und Vermindern von Tierleid und zu Gunsten des Umwelt- und Klimaschutzes beitragen. Um so mehr, als ich dabei auch als Vorbild wirke und Nachahmer gewinne, indem ich diese Fakten thematisiere und auf undogmatische Art und Weise dazu beitrage, dass den Menschen ihr "Filter" von Herz und Augen fällt.

Unser Motto sollte nicht heissen:
ALLES ODER NICHTS, sondern: SO VIEL WIE MÖGLICH; MIT DEM ZIEL, SO ZU LEBEN, DASS WIR MÖGLICHST WENIG SCHADEN ANRICHTEN!

von Maya Conoci

DAS TIER + WIR, Tel. 071 640 01 75 - E-Mail: office@tierundwir.ch
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